I fought the law

Allgemein, Handwerk, Kritik, Philosophie, Texte

Regeln sind wichtig. Ohne Regeln, befürchte ich, hätten sich die Menschen schon lange von diesem Planeten gebrandschatzt. Ohne Regeln wäre Straßenverkehr Krieg – keine Scharmützel, sondern statt Vorfahrt achten, epische Vorfahrtschlachten (hihi).

Syntax, Grammatik oder Phonetik

Auch beim Texten geht es nicht ohne Regeln. Man tut gut daran, sich in der Regel an die sprachlichen Regeln zu halten. Einmal, um verstanden zu werden, zum anderen, um nicht den größten Dummbatz abzugeben.

Und doch: Sprachliche Regeln zu hinterfragen und zu brechen, kann der geschenkten Aufmerksamkeit einen unheimlichen Boost verleihen. Beispiel? Gerne: „spiele wie Flasche leer“ und „ich habe fertig“. Grottiges Deutsch, aber mal ehrlich: Welcher andere Trainer der Bayern blieb noch so lebendig und sympathisch im kollektiven Gedächtnis wie Giovanni Trapattoni? Wir stellen fest: Sprache KANN mehr Identität stiften, wenn sie sich einen Kehricht darum schert was im Duden steht.

Eine Frage des Stils 

Es gibt gefühlte 100 Bücher auf Amazon zu bestellen, die angeblich erklären, wie man gute Texte schreibt. Kurze Sätze, kurze Wörter, wenige Hauptwörter, viele Verben, bloß keine Wiederholungen, Nebensätze vermeiden und so weiter und so fort.

Wie kann es dann sein, dass in einem sehr erfolgreichen und äußerst wohlwollend besprochenen Buch solche Sätze vorkommen? „Ist das Leben ein Glas oder eine Flasche oder ein Eimer, irgendein Behälter, in den man was hineinfüllt, etwas hineinfüllen muß sogar, denn irgendwie scheint sich ja die ganze Welt einig zu sein, daß man so etwas wie einen Lebensinhalt unbedingt braucht.“ Herr Lehmann wäre lange nicht so rasend komisch, ohne diese verquaste Tonalität. Fazit: Ein Mittel großartigen Humors ist die Sprache, zumal wenn sie Regeln bricht.

Kann eine Schriftart böse sein?

Den Eindruck könnte man haben. Die Comic Sans ist die Anti-Typo. Designer bekommen Pusteln, die Style Polizei fährt schon mal die Wasserwerfer vor und gibt Knüppel frei. Zugegeben: Auch ich mag die Comic Sans nicht. Irgendwie wirkt sie plump und infantil.

Aber ich frage mich: Mag ich sie deswegen nicht, weil ich sie ganz subjektiv hässlich finde. Oder folge ich instinktiv einem Dogma: „Comic Sans – geht gar nich!“ (man muss sich diesen Satz von einer norddeutschen Beraterin vorstellen – leicht nasal und versnobt). Und weil ich in diesem Dilemma bin, warte der Werbe-Outlaw in mir schon die ganze Zeit auf die Gelegenheit, die Comic Sans professionell einzusetzen. Fazit: Der Einsatz von Typo mit Bad Boy Image KANN ein Mittel sein, augenzwinkernd Aufmerksamkeit zu erzeugen.

Das Fazit-Fazit, heute von Judas Priest:

Breaking the law, breaking the law
Breaking the law, breaking the law
Breaking the law, breaking the law
Breaking the law, breaking the law


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