Leichen pflastern meinen Weg

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Ich habe Leichen im Keller. Reichlich Leichen. Ideen, dahingeschieden und vergessen. Abgelegt in Hirnregionen, an die ich nicht mehr herankomme. Klar sind Ideen oft Ergebnis eines Denkprozesses, als Lösung für eine konkrete Aufgabenstellung. Oft kommen sie aber im falschen Augenblick, wenn man sich gerade wirklich nicht damit beschäftigen kann. Man hat quasi einen Hammer, aber keinen Nagel. Eine Lösung könnte sein, Ideen zu konservieren und auf den richtigen Anlass zu warten. Was aber, wenn der richtige Nagel nie kommt? Dann stirbt unter Umständen eine phänomenale Idee völlig vereinsamt. R.I.P.


Können, nein, dürfen wir uns das leisten? In einem Zeitalter, in dem Ideen als das Kapital der Zukunft apostrophiert werden? Nein. Aber wie umgehen mit Ideen? Was wäre, wenn jemand anderes genau diese eine Idee gebrauchen könnte? Vielleicht sogar Geld damit verdienen könnte. Mit meiner Idee? So etwas kann man doch nicht einfach verschenken! Zumindest in der Werbebranche herrscht aus meiner persönlichen Erfahrung heraus diese Ansicht vor. Das ist ein nachvollziehbarer Gedanke, aber ich glaube, davon muss man sich lösen. Ist es nicht immer noch besser, eine Idee wird adoptiert – nicht verworfen, verscharrt, vergessen. Aus ganz pragmatischen Gründen.

Qualität

Stichwort „Open Source Software“. In der Erwartung, dass die Programme eine Evolution erfahren. Ein riesiges Netzwerk von Entwicklern sorgt für die Verbesserung und Sicherung der Qualität. Der Köche-Brei-Vergleich lässt sich hier nicht bestätigen. Ein hervorragendes Beispiel für kollektive Intelligenz ist des Deutschen liebstes Content Management System: TYPO3.

Markt

Ein anderes Beispiel: Elon Musk, Kopf und Gründer des Elektrofahrzeugbauers Tesla. Er gab vor Kurzem seine Patente frei. Alle. Und das in einer Zeit, in der sich Samsung und Apple über runde Ecken streiten. Das tut der Mann natürlich nicht aus einer naiven Robin Hood-Attitüde heraus. Viel mehr will er dem Markt der Elektromobilität mehr Drive verpassen, um dann an die wirklich großen Geldtöpfe zu kommen.

Innovation

Der Wirtschaftsstandort Deutschland lebt nicht von Rohstoffen oder günstiger Produktion, sondern von Innovation. Da darf man die Frage stellen: Ist es langfristig sinnvoll, mit Erkenntnissen hinter dem Berg zu halten? Für einen offenen Umgang mit Ideen plädiert das Konzept der Open Innovation. Die Herangehensweise ist keine Rocket-Science.

Kurz zusammengefasst bedeutet es, dass alle Menschen, die mit einem Produkt, einer Technologie, einer Dienstleistung zu tun haben als Quelle von Ideen zumindest in Erwägung gezogen werden – also andere Anbieter, Mitarbeiter oder Zulieferer. Sogar Konsumenten können Teil einer Neuentwicklung sein – mit Crowdsourcing. 

Und die Werbebranche

Warum tut sich gerade diese Branche so schwer damit? Wo sich doch viele Agenturen als Think Tanks verstehen. Mir fallen zwei Gründe dafür ein, dass sich auf diesem Gebiet noch keine offene Kultur entwickelt hat. Zum einen sind Idee und das fertige Produkt bereits sehr nah. Der Spielraum der Weiterentwicklung scheint kleiner zu sein wie beispielsweise bei Software oder Technologien.

Zum anderen zieht die Werbewelt Menschen an, die zur Eitelkeit tendieren, Künstlertypen. Ich nehme mich da nicht aus. Eine Idee ist wie ein Baby, ich bin stolz darauf und würde sie mit Händen und Füßen verteidigen. Und ich glaube, dass diese emotionale Persönlichkeitsstruktur für kreatives Arbeiten auch notwenig ist.

Trotzdem: Es würden mehr Ideen ans Tageslicht schaffen – in Flensburg erdacht in Oberammergau verkauft. Das würde nicht nur der Effizienz in die Karten spielen. Mehr frei zugängliche Einfälle würde die Qualität des Outputs der gesamten Branche steigern. Und das kann auf einem globalisierten Markt für den Standort Deutschland nicht das Schlechteste sein. Und mal ganz ehrlich: Geklaut wird doch sowieso.

Ich mach dann mal den Anfang mit meiner Open Source Idee #1. Kann mal schnell jemand eine Ideendatenbank aufmachen – so etwas wie ein Innovations-Wiki für die Werbebranche, schön indiziert und mit Tags versehen? Kann doch nicht so schwer sein. Vielleicht könnte man sich irgendwann auch was zur Urheberschaft und Monetarisierung von Ideen einfallen lassen.

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