Wir können billig und ähhhh …

Allgemein, Ärgerdinge, Design, Handwerk, Kampagnen, Kritik, Philosophie, Stilfragen, Texte

Ist ja nix Neues: Media-Markt hat den Online-Zug zu lange durchgewunken, anstatt selbst rechtzeitig aufzuspringen. Lieber hat man mit ein paar U-Turns in der Kommunikationsstrategie die Verbraucher schwindlig getanzt: Erst sollten die Hammer-Giga-Monster-günstigen Preise der Vergangenheit angehören. Hat nicht funktioniert (kein Wunder eigentlich. Außer billig war da ja nicht viel). Wie aus dem Nichts gab es dann auf einmal zwei trashige Familien – die eine mehr, die andere weniger doof. Strategisch ging’s dann wieder back to the roots: Hey superbillig, olé olé superbillig! Blöd nur, dass selbst das Amazon besser kann. Wolfgang Kirsch, Chef von Media-Saturn Deutschland bläst jetzt zum Multi-Channel Halali auf die Kunden – mit einer visionären Idee. Aber man weiß ja, was Helmut Schmidt über Visionen gesagt hat …

Der Weg zur Gesundung des Unternehmens soll über einen Drive-In Media-Markt führen. Die Marschroute: Die Kunden bestellen von zu Hause aus per Internet oder Telefon, um dann zur Filiale zu fahren und sich dort das Gerät ins Auto laden zu lassen. Für mich klingt das irgendwie nach E-Mail ausdrucken und dann per Brieftaube verschicken. Ich kann mir dieses Pilot-Experiment, das im Markt in Ingolstadt über die Bühne geht nur mit der Angst vor den dräuenden Versandkosten erklären. Wahrhaft revolutionär auch der Plan, Media-Markt-Verkäufer sollen in Zukunft intensiver als Berater fungieren. Jaja, deine Mudder. Schön wär’s. Allein der Glaube fehlt mir. Ach ja, zusätzlich werden die Produkte multimedial präsentiert – wooohooo! Rocket Science!

Es wäre nicht Media-Markt, wenn nicht auch der Preis bei der die Grundfesten erschütternde Umwälzung eine Rolle spielen würde. Außerdem wird es in Zukunft … jetzt kommt’s … Tusch … elektronische Preisschilder geben. Diese Punks. Im Prinzip ist das doch nichts anderes als die Simulation des Pricings der Online Händler – sei’s drum. Was könnte diesen „elektronischen Frühling“ besser flankieren als eine Revision des Corporate Designs? So gibt man sich nicht mehr ganz so dominant, mit dem Selbstbewusstsein eines Dobermanns. Die Zusatzfarbe Schwarz verschwindet. Das Signalrot erscheint auf reinem, strahlenden Weiß. Freundlicher. Golden Retriever. Naja.

Ob das was wird? Ich glaube offen gestanden nicht, dass es mit ein bisschen Fusion der Vertriebswege da und ein bisschen CD-Umstricken dort in eine leuchtende Zukunft geht. Es mag ja sein, dass die Kombination von Online und stationär Sinn macht. Aber so? Warum in aller Welt, soll ich Benzin verfahren, um mir ein Gerät abzuholen, das ich mir auch nachhause schicken lassen kann, ohne Versandkosten zu bezahlen? Und was bringen mir elektronische Preisschilder? Ich werde kaum ständig zu Media-Markt fahren, Parkplatz suchen, reingehen und nachgucken, ob die Preise gesunken sind. Online macht das natürlich Sinn – da braucht es für einen Besuch ja auch nur einen Mausklick.

Die Frage, die sich das Management stellen muss ist doch ganz einfach: Hat der stationäre Elektronik-Einzelhandel eine Chance auf eine Koexistenz mit Online? Wenn nicht: Klappe zu, Affe tot. Wenn man aber noch an die Power des POS glaubt – dann sollte man sich anstatt dort digital rumzufummeln und aberwitzige Fast-Food-Mechanismen zu implementieren die Tugenden des Filialgeschäfts ausbauen: endlich ordentliche Beratung, ein starker Vorort-Service und Einkaufen als Event, als audiovisuelles und haptisches Erlebnis samt Elektronik-Erlebniswelten. Ein kleiner Tipp: Ich sag nur Möbel.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s