Dieser Keks wird ein weicher sein

Allgemein

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Xavier Naidoo ist so ne Art Infokrieger. Ein Kämpfer für die einzig wahren Wahrheiten. Er spricht vor der Reichsbürgerbewegung. Er faselt antiamerikanisch über ein besetztes Deutschland. Keine Ahnung. Ich will mich damit gar nicht so genau befassen. 9/11 war die Hochfinanz gar nicht auf dem Mond und die Illuminaten haben die Pläne für die Flugscheiben geklaut. So ein Verschwörungsdriss halt. Schadet er damit Deutschlands Jugend? Irgendjemand? Möglich! Kein Vergleich aber, zu dem Unheil, das er schon seit Jahren mit seiner pseudointellektuellen Poesiealbumslyrik in den Kinderzimmern der Republik anrichtet.  Ich klage an!

Zugegeben: Ich konnte Naidoo noch nie leiden. Brrr. Mich schüttelt’s richtig, wenn ich an den Typen denke. Mir ist wirklich nix, aber auch überhaupt nichts sympathisch an ihm. Nullo. Niente. Aber egal. Er macht musikalisch wohl vieles besonders gut – technisch gesehen, ich kann das nicht beurteilen. Ich weiß nur, die Ramones haben in einen Zwei-Akkorde-in-zwei-Minuten-Song mehr Hirn und Herz gepackt, als die 253 Söhne Mannheims in ihr Lebenswerk. All das lässliche Sünden. Aber die Texte – Euer Ehren, Guido Knopp, schreiten Sie ein:

Inhaltslosigkeit in Hülle und Fülle

Zum Beispiel die Zeile aus dem vielleicht bekanntesten Song: Dieser Weg. „Dieser Weg wird kein leichter sein“. Was ist das denn bitte für ein Satzbau, der ein verquaster ist? Was nicht ins Versmaß passt, wird passend gemacht? Hätte ihm doch damals jemand vor der Veröffentlichung gesagt: „Xavier, lass stecken. Dieses Lied wird ein scheißes sein.“ Weiter geht es mit „Dieser Weg wird steinig und schwer.“ Es gibt glaube ich keine angestaubtere Metapher als steinig. Schwer ist nichts anderes als nicht leicht. Hier wird Text gestreckt, wie sonst nur Drogen bei einem Dealer mit besonders unangenehmen Charakter. Inhaltslosigkeit in Hülle und Fülle. R’n’B-gesäuselt findet dieser Kram die Ohren der gefährdeten Jugendlichen, wie die Sirenen einst Odysseus Mannen.

Eine Textstelle, die ich im Brockhaus im Artikel über fremdschämen als Quelle angeben würde: „Wenn ein Lied meine Lippen verlässt“. Er will sagen: singen. Klingt aber nach: einer Moritat über das Leben und Sterben einer Flatulenz. Jedes Böhnchen gibt ein Tönchen. Sind da wirklich keine Freunde, die warnen: „Du Xavier, wie soll ich es sagen, naja, äh, das Ganze kommt bei mir irgendwie… kacke an.“ Weiter geht es auf dem Postweg. „Dann nur, damit Du Liebe empfängst.“ Für meinen Fall kann ich da nur sagen: Empfänger unbekannt verzogen.

Dada. Waaaaaaahhhhhhh!

Nun könnte der lyrisch bewanderte Naidoo-Aficionado anführen: „Da war doch was mit Dada.“ Vordergründige Sinnhaftigkeit ist in der Tat nicht zwingend Voraussetzung für literarische Kunstfertigkeit. Arp, Ball, Schwitters – geniale Spinner. Aber es gibt eben intelligenten und dumpfsinnigen Quatsch. Dreimal dürfen Sie raten, zu was wohl Naidoos Zeug gehört. Ein Exempel, um es sich auf der Zunge zergehen zu lassen. Bitteschön: „Meistens fahr ich im Jahr 250.000 Kilometer Aufgeteilt in ein goldenes Punktesystem. Es gab Jahre, da konnte man meine Punkte vom Weltall aus funkeln sehn. Diese Punkte entstehn‘ wie ein schwarzes Loch.  Doch ich entkam dem Sog der schwarzen Löcher gerade noch, denn ich fahr‘ gern Bus, wenn ich muss.“ Waaaaaaaahhhhhh.

Viele werden mir entgegnen: „Naja. Das ist jetzt nicht die linguistische Krone der Schöpfung, aber es gibt doch Sachen, die sind viel schlimmer.“ Ja ja, deutscher Hip Hop. So Gangsta-Scheiß. Stimmt schon. Aber der ist wenigstens real. Was mich wirklich anwidert, ist also nicht allein, dass der Xaver die Sprache so malträtiert, sondern dass er den Quark durch seine pseudointellektuelle, westentaschenphilosophische Klugtuerei anfälligen Jugendlichen als weltgewandte Weisheiten verkauft. Die ihm an den Lippen hängen. Die diesen Popanz schlucken und sich selbstüberschätzend darin spiegeln. Narzissmus, der im echten Leben bald ein gescheiterter, gewesen sein wird. Und das macht dann wirklich anfällig für jeden Mist, mit dem Leere wieder gefüllt werden kann. Man kann mir jetzt entgegensetzen, dass der Xaver doch erfolgreich ist. Atemlos durch die Nacht, ick hör dir trapsen.

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