Ikea verknackt sich selbst zu lebenslänglich

Allgemein

Haben Sie für die nächsten Wochenenden schon etwas vor? Veranstaltungs-Tipp gefällig? Besorgen Sie schon mal Chips, Popcorn und Camping-Stühle. Ein langer Samstag bei Ikea verspricht in Zukunft spaßig zu werden. Überforderte Verkäufer, auf ihr Recht pochende Kunden und eine moderne Interpretation des Zauberlehrlings – der Boden ist bereitet für das ganz große Kino. Und das nur, weil die PR-Abteilung besser mal die Klappe gehalten hätte.

Es ist schon dreist: Da verspricht man PR-strategisch etwas – und dann kommen doch echt so unverschämte Menschen und bestehen darauf, das Versprechen einzulösen. Ja wo kommen wir denn da hin? In die Klemme würde ich mal sagen. Wie im Falle von Ikea. Der Möbelriese machte mit einem lebenslangen Umtauschrecht Schlagzeilen, ist aber in letzter Zeit eher ziemlich mit rudern beschäftigt – vor, zurück, vor.

Wahnsinn: Alle zwei Jahre ne neue Couch

„Gefällt dir ein Artikel, den du bei Ikea gekauft hast, nicht mehr, bring ihn einfach unter Vorlage der Rechnung oder des Kassenbons zurück, und wir erstatten dir den vollen Einkaufsbetrag“, ohne zeitliche Einschränkung, Originalverpackung nicht nötig“, so steht’s geschrieben – im aktuellen Ikea-Katalog, 30 Millionen mal. Cool: Leder-Couch kaufen, statt lebenslänglich nur zwei Jahre absitzen, rein in den Kombi und nichts wie zurück zu Billy, Knut und Ivar. Wo können wir unser neues Sofa holen? Wie beim Handy. Nur dass man keinen sauteuren Vertrag abschließen muss. Fail.

Dass so ein Wahnsinn nicht möglich ist, verrät einem doch der gute Menschenverstand – auf den sich auch der alte Oberschwede Peter Betzel berief, als er zum 40. Geburtstag in vorgezogener Katerstimmung das erste Rückruderboot vom Stapel ließ. Man könne ja nicht 15 Jahre mit einer Küche glücklich dahinleben und sie dann abgeranzt wieder ins Geschäft tragen. „Das Geschäftsmodell hält auch Ikea nicht aus.“ Dem stimme ich zu 100 Prozent zu.

Armageddon an den Kassen

Blöd nur, wenn vorher bereits eine Sprecherin tönt, dass man auch nach fünf Jahren das durchgesessene Sofa zurücknehmen werde. Konkret: „Die Verfassung der Ware ist dabei egal.“ Ja, und was stimmt jetzt? Der Ikea-Vize in Deutschland, Michael Mette, sticht ebenso engagiert in See, nur eben in die andere Richtung. Die Einschränkung habe sich nur auf Waren bezogen, die vor der aktuellen Katalogveröffentlichung gekauft wurde. Also doch.

Naiv, fast flehend nimmt sich die Äußerung einer Ikea-Sprecherin aus: „Wir vertrauen darauf, dass die Kunden das neue Rückgaberecht nicht ausnutzen“, sagte eine Sprecherin. Nun ja, hoffen ist nie verkehrt, aber ich google mal Theokrit: „Ein Mensch hofft, solange er lebt, erst die Toten hoffen nicht mehr.“ Und das wünscht man nicht einmal einem Weltkonzern.

Mal abgesehen vom Image-Schaden, den das Hin und Her sicher mit sich bringt – ich habe großes Mitleid mit den Mitarbeitern des Möbelriesen. Die dürfen die Köttbullar-Suppe auslöffeln. Das könnte in neuer Youtube Trend werden: „Wer bringt die abgefahrenstre Umtauschaktion?“ Heikle Einzelfallentscheidungen, gerechte Wut und und ungerechter Spott werden sich über die Armen ergießen. Randale im Bällchenbad, Wrestling in der Bettenabteilung, epische Hot Dog-Schlachten, Armageddon an den Kassen – eine Frei-Cola wird da wohl nicht ausreichen, um den Frieden wiederherzustellen. Skål!

 

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