„Die Precogs irren sich niemals…. nun, gelegentlich… sind sie sich nicht einig.“

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Oh Shit, Termin beim Chef. Schreckensszenario: Während man ängstlich im viel zu weichen Besuchersessel versinkt, dröhnt er von der anderen Seite des überdimensionierten Schreibtischs wie ein B&O Subwoofer durch sein 80 Quadratmeter-Büro (und ich bin mir ziemlich sicher, er streichelt dabei eine weiße Katze): „Wir beide kennen uns schon viele Jahre, und Sie wollen jetzt unsere Firma verlassen – von einem Tag auf den anderen einfach kündigen. Sie sind gefeuert!“ Sie, aus tiefster Überzeugung, entrüstet: „Nein, das wollte ich wirklich nicht.“ Er: „Die Precogs sehen nicht, was man tun möchte, sondern das was man tun wird.“

Jetzt gibt es drei Möglichkeiten: Ihr Chef ist ein Cineast und hat einmal zu oft am Single Malt genippt, Sie sind während Minority Report eingeschlafen und träumen oder Ihr Boss verwendet Workday Insight Applications. Ein Software, die voraussagen soll, wann ein Mitarbeiter den Job wechseln wird. Science Fiction? Nur noch bis 2015. Dann soll die Software auf den Markt kommen.

Ein feuchter Traum für jeden Nerd. Ein Algorithmus soll dabei helfen, dass Personaler nicht völlig kalt erwischt werden, wenn eine Kündigung auf den Schreibtisch flattert. Workday ist eine Firma, die Programme entwickelt, die große Datenmengen sammeln und miteinander abgleichen, um Aussagen zu generieren, die für das Unternehmen aktuell oder zukünftig von Bedeutung sein könnten.

Für die Enttarnung von Abtrünnigen werden Daten wie etwa Betriebszugehörigkeit, letzte Beförderung und Leistungsreports mit externen Daten in Beziehung gesetzt – zum Beispiel externe Stellenausschreibungen für den betreffenden Tätigkeitsbereich, Marktkennzahlen etc. Den Ergebnissen entsprechend soll die Software auch Empfehlungen ausgeben. Eine Automatisierung fällt (vorerst) weg, die Entscheidung bleibt dann doch in Menschenhand.

Spitzen Sache eigentlich. Winken dem Betreffenden doch Ruhm, Ehre, Gehaltserhöhung, Bonus oder gar Beförderung. Erfreuliche Aussichten – wenn man die Sache sehr naiv angeht. Geht man sachlich ran, gilt wohl eher: Keiner ist unersetzbar. Und dann drehen sich die kühl rechnenden Zahnräder der HR-Unit und zermalmen eventuell die Karriere eines loyalen Mitarbeiters, der vielleicht einfach nur das Pech hat, dass Algorithmen sich auch täuschen können. Wenig tröstlich: „Die Precogs irren sich niemals … nun, gelegentlich … sind sie sich nicht einig.“

Alles soll man ausrechnen können. Die Versicherung möchte wissen, wie krank man wird. Auf Partnerportalen werden Beziehungschancen in Prozent ausgerechnet. Wer unbedingt will, kann sich die ungefähre Lebenserwartung prophezeien lassen. Nennen Sie mich zukunftsfeindlich, von gestern oder altmodisch, aber mir ist diese Algorithmus-Sklaverei echt zuwider. Oder etwas poetischer, wie in Minority Report:“Die Wissenschaft hat die meisten unserer Wunder entzaubert.“

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