K wie Konflikt. K wie Kreativität.

Allgemein

Warum, frage ich mich oft, entsteht in der einen Werbeagentur außergewöhnliche Kommunikation, in der anderen eher gewöhnliche? Warum arbeitet das eine Team superkreativ und ein anderes stur To-Do-Listen ab? Mein Eindruck: Kreativität wird vieler Orts als ein Charakter-Merkmal begriffen. Da gibt es den einen. „Das ist unser kreativer Spinner“, heißt es halb entschuldigend, halb stolz. Wäre ich Kunde würde ich fragen: „Und die anderen 20? Machen alle Buchführung, oder was?“

Sicher gibt es Menschen, die tun sich leichter bei der Etablierung von Neuem, Überraschendem, Begeisterndem. Im Elfenbeinturm wird der arme Poet aber weder der Agentur noch den Kunden wirklich nützen. Der Psychologe und Unternehmensberater Professor Peter Kruse sieht genau in dieser Abgeschiedenheit des einzelnen das Problem. Sein Ansatz: Netzwerke, in denen alles zu glatt läuft produzieren wenig Neues. Erst wenn ein Individuum sich am anderen reibt, ist es gezwungen sein Denken zu verändern.

Diese Voraussetzung fehlt in wenig-kreativen Agenturen. Die gesamte Organisation ist darauf ausgelegt, alle Prozesse reibungslos ablaufen zu lassen. Konflikte zwischen Mensch und Effizienz, Mensch und Struktur oder Mensch und Mensch sollen im Keim erstickt werden. Konflikte als Zeitverschwendung, als Renditeverhinderer.

Mehr Konflikte schaffen, aushalten und ausschöpfen – das könnte ein Weg zum richtigen Nährboden für außergewöhnliche Ideen sein, die Konzepte, Kamapagnen – kurz Kommunikation – schöner, schlauer, schlagkräftiger machen. Eins muss klar sein: Es geht nicht um Zoff. Konflikt bedeutet nicht, dass Texter und Grafiker draußen vor der Agentur wie echte Männer ausmachen, welche Idee cooler ist.

Reibung entsteht bereits durch eine Erweiterung des am Kreativprozess beteiligten Personenkreises. Ein IT-Admin beispielsweise wird kaum die preisgekrönte Kampagne am Flipchart entwerfen (obwohl: warum nicht). Auf jeden Fall ist er extrem gut darin, systemisch zu denken und wird damit neue Assoziationsketten anstoßen.

So arbeitet auch die Methode des Design Thinking. Die Annahme: Wenn Menschen unterschiedlichster Disziplinen am Denkprozess beteiligt sind, werden Probleme intelligenter gelöst als durch kreative Einzelkämpfer. Auch Fertigkeiten und Interessen, die auf den ersten Blick nichts mit der Aufgabenstellung zu tun haben sind wertvoll. Voraussetzung dafür ist ein Umfeld der gegenseitigen Wertschätzung und einer respektvollen Kritikkultur. Und dafür ist nur einer verantwortlich: Der Chef.

Was bedeutet das für mich Freelancer? Ich schätze es sehr, in einen Kreativprozess eingebunden zu sein – viele Agenturen wollen das auch. Andere wieder nicht. Dann behelfe ich mir mit einer zeitlich begrenzten multiplen Persönlichkeit. Das funktioniert gar nicht mal so schlecht und ich komme immer noch gut mit mir aus.

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