Raus aus der Schmollecke

Allgemein, Handwerk, Kreationen, Kritik, Philosophie, Stilfragen, Texte

Früher war die Sache einfach: In Mathe war ich lausig, in Deutsch sehr gut. Heute soll ich „uniquen content“ produzieren und gleichzeitig die Algorithmen des mächtigen Google überlisten. Erst kommt der Page Rank, dann der gute Stil. Gezahlt wird wortweise. (Was wirklich ein Riesenschwachsinn ist. Oder rechnen Webdesigner nach Pixeln und Illustratoren nach Vektoren ab?) Tja nun, ich persönlich finde das nicht schön – ich halte diese Art zu schreiben für Spam mit anderen Mitteln.

Des Leiters neues Logo

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Frei nach Hans Christian Andersen

Vor gar nicht vielen Jahren lebte ein Bereichsleiter Marke und E-Commerce, der so ungeheuer viel auf Corporate Design hielt, dass er all sein Geld dafür ausgab, um das Unternehmen recht geputzt zu sehen. Er kümmerte sich nicht um seine Kunden, kümmerte sich nicht um innovative Produkte oder neue Kommunikationswege – außer es sah geil aus. In der großen Firma, in der er herrschte, ging es sehr munter her. An jedem Tag kamen viele Kreative an, und eines Tages kamen auch zwei besonders Ausgefuchste, die gaben sich für Topdesigner aus und sagten, dass sie das schönste Logo, was man sich denken könne, zu gestalten verstanden.

K wie Konflikt. K wie Kreativität.

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Warum, frage ich mich oft, entsteht in der einen Werbeagentur außergewöhnliche Kommunikation, in der anderen eher gewöhnliche? Warum arbeitet das eine Team superkreativ und ein anderes stur To-Do-Listen ab? Mein Eindruck: Kreativität wird vieler Orts als ein Charakter-Merkmal begriffen. Da gibt es den einen. „Das ist unser kreativer Spinner“, heißt es halb entschuldigend, halb stolz. Wäre ich Kunde würde ich fragen: „Und die anderen 20? Machen alle Buchführung, oder was?“

Nasweis Advertising: ein schlaffer Hybride?

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Es ist so eine Sache mit Buzzwords. Oft sind sie der berühmte alte Wein in neuen Schläuchen. Nichts Revolutionäres, absolut Neues, sondern ein cooler Name für Altbekanntes – meist ein catchy Anglizismus. Der wird dann unter die Leute gebracht, gemocht, geteilt, kommentiert – und irgendwann als Heilslehre von den Kanzeln der Werbe- und Marketing-Gebetsgazetten auf die Kreativbranche hinab gepredigt und hält dann Einzug in die täglich Fron des Werberstandes. „Nasweis“… pardon… „Native Advertising“ ist so ein Beispiel – eigentlich nix anderes eine Verklausulierung für Verbraucherverarsche. Oder?

Nicht klecksen – Kopf anknipsen

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Wenn nett der kleine Bruder von scheiße ist, dann ist kreativ die kleine Schwester von interessant, der wiederum der große Bruder von scheiße ist. Oder so ähnlich. Die Vokabel Kreativität ist schon auf vielen Säuen durchs Dorf getrieben worden. Liebende Eltern würden ihre kleinen Genies bereits nach einem sehr gelungenen Gang zum Töpfchen auf der Kunstakademie anmelden wollen. Aber auch emotional weniger involvierte Menschen huldigen der Kampfparole kunsthandwerklicher Beliebigkeit: mit Seidenmalerei, Töpfern, Hinterglasbildern, Adressschildern aus Salzteig, Makramee oder Strumpfhosenblumen. Erstaunlich, dass es einen Wirtschaftszweig gibt, der genau den selben Begriff als Kernkompetenz verkauft. Das funktioniert allerdings nur deswegen, weil viel mehr hinter dem leichtfertig gebrauchten Wörtchen steckt als ein bisschen hübsches Handarbeiten.

„Die Precogs irren sich niemals…. nun, gelegentlich… sind sie sich nicht einig.“

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Oh Shit, Termin beim Chef. Schreckensszenario: Während man ängstlich im viel zu weichen Besuchersessel versinkt, dröhnt er von der anderen Seite des überdimensionierten Schreibtischs wie ein B&O Subwoofer durch sein 80 Quadratmeter-Büro (und ich bin mir ziemlich sicher, er streichelt dabei eine weiße Katze): „Wir beide kennen uns schon viele Jahre, und Sie wollen jetzt unsere Firma verlassen – von einem Tag auf den anderen einfach kündigen. Sie sind gefeuert!“ Sie, aus tiefster Überzeugung, entrüstet: „Nein, das wollte ich wirklich nicht.“ Er: „Die Precogs sehen nicht, was man tun möchte, sondern das was man tun wird.“

Heile Heile ‚Watschngsicht‘

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Ich liebe den bayerischen Dialekt. Er ist so schön minimalistisch, zum Teil drastisch, aber irgendwie immer charmant. Das Wort ‚Watschn‘ zum Beispiel – klingt doch viel windschnittiger als eine handelsübliche Ohrfeige. Davon abgeleitet gibt es den ‚Watschnbaum‘, der, wenn er umfällt, ordentlich Dresche verspricht. Und ganz besonders erbarmungswürdige Zeitgenossen haben ein ‚Watschngsicht`, laden allein durch ihr Antlitz zu einem Satz heiße Ohren ein. Alles natürlich im übertragenen Sinne, nur quasi, sozusagen. Das konnte bisher den ohnehin bedauernswerten Call Center Mitarbeitern der Telekom nicht widerfahren. Sie waren nur die Stimme hinter einem Problem. Bei der Deutschen Telekom gibt es bald auch den Kopf zu sehen, den man am liebsten abreißen möchte – im Videochat.

Auch deine Mutti wird verfolgt!

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Woher wissen die das? Läuft die Webcam doch, auch wenn das Lämpchen nicht brennt? Ist mein Rechner verwanzt? Oder kann das Internet schlicht Gedanken lesen? Da hat man gerade noch im Online Shop dieses schicke Sofa von Rolf Benz angeschmachtet. Und auf einmal taucht auf einer völlig anderen Seite ein Webbanner auf, das weitere Sofas vorschlägt. Irgendwie ja zuvorkommend. Aber auch ganz schön spooky. Nach „Ich habe das Internet gelöscht“ eine der schillerndsten Ängste der Digital Immigrants.

Red Bull so: Yeah, Strato Jump. Und Google: Will auch haben!

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Google benimmt sich wie die neureichen Eltern eines verwöhnten Blags. Immer, wenn ein anderes Kind was neues Cooles mit in den Kindergarten bringt, will Google Junior es sofort auch haben. Beispiel: Der junggebliebenen Brause-Papa Allf(red) Bull hatte seinem Sohn Felix zur bevorstehenden Einschulung einen Fallschirmsprung aus der Stratosphäre spendiert. Wie jeder stolze Vater hat Allfred natürlich die Action Cam laufen lassen und allen die Filme gezeigt. Ganz viele junge Leute fanden das total cool – natürlich auch der Google-Filius. Zuhause hat er sich dann auf den Boden geworfen, gestrampelt und geplärrt: „Ich will auch.“

Ikea verknackt sich selbst zu lebenslänglich

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Haben Sie für die nächsten Wochenenden schon etwas vor? Veranstaltungs-Tipp gefällig? Besorgen Sie schon mal Chips, Popcorn und Camping-Stühle. Ein langer Samstag bei Ikea verspricht in Zukunft spaßig zu werden. Überforderte Verkäufer, auf ihr Recht pochende Kunden und eine moderne Interpretation des Zauberlehrlings – der Boden ist bereitet für das ganz große Kino. Und das nur, weil die PR-Abteilung besser mal die Klappe gehalten hätte.

Wir brauchen Eier!

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Heim und Herd als ihr gottgegebenes Habitat – dieses überkommene Frauenbild gehört zum Glück immer mehr der Vergangenheit an. Frauen sollen Karriere machen können. Welcher moderne Geist sollte sich diesem Ansinnen entgegenstellen? Dass sich die Trends setzenden Unternehmen Apple und Facebook ihren innovativen Kopf auch zu dieser Frage machen, ist zwingend logisch. Und dass die Branchenriesen dabei nicht auf hergebrachte Lösungen setzen, ist auch klar. Ihre Mitarbeiterinnen sollen nicht auf’s Kinderkriegen verzichten, sie sollen den Nachwuchs lediglich erst einmal auf Eis legen!